Mittwoch, 6. Februar 2013

# 1

Kurze Beschreibung meiner Gefühlslage:

Komplette Überforderung

Ich weiß einfach nicht wo mir gerade der Kopf steht.
Seit ich aus Irland zurück bin hat sich alles nur um eine Sache gedreht.
Oma. 

Wenn Oma einen guten Tag hatte, hatte auch ich einen guten Tag.
Wenn Oma einen schlechten Tag hatte, hatte auch ich einen schlechten Tag.
Jeden Tag hieß es: 
Erstmal zu Oma und alles andere war unwichtig.
Alles. 

Doch jetzt hat sie keinen Tag mehr.
Denn jetzt ist sie tot.
Und mit ihr, ging auch ein Teil von mir.

Heute vor drei Wochen ist sie von uns gegangen.
Sie ist so wichtig gewesen. Sie ist es immer noch.
Und sie wird immer so wichtig bleiben.

Am Anfang war das Heulen groß.
Natürlich.

Sie ist um 4 Uhr Morgens gestorben.
Ich lag neben ihr.
Hab ihr den Mund zugehalten, damit er auch zu ist wenn die Totenstarre eintritt.
Manch einer mag sagen, es sei doch komisch neben einer Leiche zu liegen.
Sie anzufassen. Und zu spüren wie sie immer kälter wird. 
Aber das war nicht einfach irgendwer, der mich da gerade verlassen hatte.
Oma war eine der wenigen wirklich wichtigen Personen in meinem Leben.
Mein Trostpflaster.
Worte können eigentlich gar nicht beschreiben was diese unglaubliche Frau für mich war,
deshalb lass ich das jetzt.

Wie gesagt. Den ersten Tag hab ich mit viel Heulen verbracht.
Mein Papa kam als erster aus Ulm.
Hat sich verabschiedet.
Dann kam meine Tante aus Berlin.
Hat sich verabschiedet.
Dann kam mein Onkel aus Stuttgart.
Hat sich verabschiedet.

Dann wurde besprochen wie's weiter geht.
Papa hat beim Bestattungsinstitut angerufen.
Ich wollte das nicht sehen. 
Wie man sie mitnimmt.
Einpackt in einen Sarg.
Also bin ich früher gegangen.
Hab mir vom Arzt den Totenschein geben lassen,
ihn zu Opa gebracht und dann meinen Bruder von der Schule abgeholt.
Mit ihm den Nachmittag verbracht.
Jedes kleine Lächeln fühlte sich falsch an.
Und bei jedem Lachen kam auch wieder die Trauer zurück.

Am Abend kamen meine 2 besten Freundinnen aus Bochum.
Um mir Trost zu spenden.
Für mich da zu sein.
So lieb von ihnen.

Doch ein Problem gab es noch.
Eine Woche zuvor hatte ich ein neues Bett bekommen.
Das meiner Großeltern.
Weil Oma ein Pflegebett bekam.
Darin wollte ich einfach nicht schlafen.
Das war zu viel.
Also bin ich zu meinem Freund gefahren.
Die beste Entscheidung.
In seinen Armen bin ich sofort eingeschlafen.

Die nächsten Tage waren alle sehr stressig.
Kaum zu glauben wie viel Vorbereitung eine Beerdigung erfordert.
Aber es war auch eine gute Ablenkung.
Und es hat sich gelohnt.

6 Tage danach war die Beerdigung.
Das war schlimm.
Aber, wenn man das so sagen kann, es war eine schöne Beerdigung.
So persönlich.
Und es waren so viele Leute da um Oma ihre letzte Ehre zu erweisen.

Danach war es einfach vorbei.

Oma ist weg.

Jetzt drei Wochen später drängt der Alltag darauf, dass ich mich wieder einkriege.
Jetzt, da ich kein Geld mehr von der Pflegekasse bekomme, muss ich mir einen Job suchen.
Aber ich hab einfach keine Lust. 
Nicht aus Faulheit.
Sondern, weil ich weiß, dass das Leben so weiter gehen muss.
Ohne sie. 
Und das verkrafte ich einfach nicht.

Vor 6 Tagen hatte ich Geburtstag.
20 Jahre.
Omi deine alte Suse ist 20 Jahre. 
Kannst du das glauben??
Ich nicht.
Es war ein schöner Tag.
Sehr schön.
Aber sie hat gefehlt. 

Heute habe ich ein Job Angebot bekommen.
Ein sehr gutes.
Ab Montag werde ich arbeiten.
Bekomme 1400 Euro im Monat.
Endlich Geld.

Vielleicht kann ich dann endlich ausziehen.
Weg von Mama.
Weg von diesem Saustall.
Weg von diesem Druck.
Frei sein.

Meine Eltern planen momentan ihren Umzug nach Ulm.
Mama will mich mitnehmen.
Aber was soll ich da?
Was soll ich in Ulm?
Mein Leben ist hier.
Ich werde nicht weggehen.
Ich werde bleiben.
Und dafür schuffte ich jetzt.

Gestern war ich auf einer Informationsveranstaltung für den Studiengang für den ich mich interessiere.
Duales Studium Mediendesign.
Genau das ist mein Ding.
Das will ich machen.
Also muss ich mich jetzt auch dafür zusammenreißen.
Ich will das machen.
Hab schon so viele Ideen.
Selbst für meine Bachelorarbeit hätte ich schon eine Idee.
Drück mir die Daumen.

Es ist seltsam.
Meine Therapeutin sagt, ich würde momentan viele Schritte nach vorne machen.
Ich hab nicht wirklich daran geglaubt, dass diese Therapie irgendwann mal etwas bringen würde.
Ich dachte ich bleibe für immer so kaputt. 
Der Grund warum ich zweimal die Woche dorthin fuhr war, dass ich endlich mal jemanden hatte dem ich alles sagen konnte.
Ohne das Gefühl zu haben, verurteilt zu werden.
Aber sie sagt mir jedesmal, dass ich mein Leben für mich selber führe.
Und sie hat Recht.
Das war und ist mein Problem. 
Ich lebe für andere.
Nie für mich.

Aber jetzt muss ich anfangen an mich zu denken.
Und seitdem läuft jede Beziehung in meinem Leben gut.
Außer die mit Mama. 
Dass ich anfange mich abzukapseln, ist für sie das schlimmste.
Sie will und kann mich nicht loslassen.
Und deshalb klammert sie sich an mich.
Das macht mich fertig.

Sie erzählt allen ich würde mit umziehen.
Einfach so.
Was erlaubt sie sich? 
Ich will mein eigenes Leben führen.
Und das mach ich jetzt auch.

Das war's dann auch mal wieder...
ist ja jetzt lang genug geworden.
Aber hat mir gefehlt, mir alles von der Seele zu schreiben.


Oh und daaas ist mein absolutesl Lieblingslied zur Zeit !! :-) 




3 Kommentare:

  1. Nach dem wirklich sehr lieben Kommentar, den du auf meiner Seite hinterlassen hast dachte ich mir, ich schau auch mal bei dir vorbei. Hat sich auf jeden Fall gelohnt und sobald ich das mit dem System hier drauf hab werde ich dir folgen und dein Leser Nr. keine Ahnung werden ;)
    Das mit deiner Oma tut mir wirklich schrecklich leid, ich weiß das hört sich jetzt an wie diese typische Beileidsfloskel aber ich mein's wirklich ernst. Mir fällt nur grade keine bessere Formulierung ein.
    Jemanden zu verlieren der einem nahe stand ist immer schwierig, aber bei mir war's so, dass ich vielleicht immer noch oft trauer, aber es irgendwie als einen Teil meiner eigenen Geschichte akzeptieren konnte. Hört sich für dich wahrscheinlich noch unvorstellbar an, das war's für mich auch, aber überraschenderweise kann man tatsächlich irgendwie damit leben. Auch wenn man sowas nie richtig vergleichen kann hoffe ich, dass es dir bald irgendwann ähnlich oder besser gehen wird :)
    dir auch noch einen schönen Tag (oder eher Abend):*

    AntwortenLöschen


  2. Dieses Herz war nicht als "Beileid", nicht als "Trauer" und auch nicht als "Ich mag dich"
    Dieses Herz ist, weil ich hoffe, dass es dich zum lächeln bringt.

    AntwortenLöschen
  3. Ich liebe dich wundervolles Mädchen einfach.
    Ob du's glaubst oder nicht, irgendwie weine ich gerade. Einfach so? Vielleicht weil ich stolz auf dich bin. Stolz, dass ich endlich die Worte von dir lesen darf, auf die ich so lange gewartet habe: "Aber jetzt muss ich anfangen an mich zu denken." Nächsten Monat haben wir uns ein Jahr nicht gesehen, du ahnst nicht wie schrecklich ich dich vermisse. Und ich hab dir eigentlich so viel zu sagen, weil ich da oben so viele Neuigkeiten über dein Leben erfahren hab, aber irgednwie bin ich nun einfach still. Und drücke dich, von hier oben. Du weißt, dass ich immer für dich da bin, ja? Immer.

    AntwortenLöschen